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für Klarinettenbegeisterte

OHNE KLARINETTE, KLARINETTE ÜBEN!

Ohne Klarinette, Klarinette üben.
Ist es überhaupt möglich? JA!

In diesem Blogbeitrag geht es weder um das mentale Üben noch um die physischen Aufwärmübungen vor dem Spielen, die auch Bestandteile eines effizienten Übens sind. Vielmehr soll es heute um ein „trockenes“ Üben gehen, das sich spezifisch an Klarinettistinnen und Klarinettisten richtet.

Im Alltag, im Urlaub, aber auch am Wochenende bin ich oft in die Situation geraten, dass ich aus verschiedenen Gründen keine Zeit, bzw. für mein Gefühl keine ausreichende Zeit, zum Üben hatte. Darüber habe ich in meiner Studienzeit immer wieder nachgedacht, da ich diese Zeit „auf der Strecke“ trotzdem produktiv auszunutzen wollte. So habe ich festgestellt, dass es viele Möglichkeiten für ein effektives Üben gibt, sogar auch dann, wenn gerade keine Klarinette zur Verfügung steht.

Ein trockenes Üben kann und soll natürlich das Üben mit einem Instrument nicht ersetzen, es kann aber die tatsächliche Übezeit gut vorbereiten, ergänzen und unterstützen.

Hier möchte ich euch einige Anregungen für „Trockenübungen“ für Hände, Ansatz und Luftführung geben, die ich persönlich für sehr effektiv halte.

Ein kleiner Hinweis dazu: Wie bereits erwähnt sind die hier aufgelisteten Übungen als „Ersatz“ oder „kleine Ergänzung“ der täglichen Übungen konzipiert. Es ist aber wichtig zu beachten, dass eine zu intensive Übung mit zu vielen Wiederholungen und damit einhergehenden Ermüdungserscheinungen kontraproduktiv sein kann und nicht die erwünschte Wirkung bringt. Ich persönlich übe diese Routine an den Tagen aus, an denen ich nicht zum Üben mit dem Instrument komme. Ich steigere mich erst langsam mit den Wiederholungen und achte darauf, dass es nicht zu anstrengend wird: Nicht zu viel und nicht zu schnell!

ANSATZ – Erstes zentrales Werkzeug der Klarinettist*innen

Lippenmuskeltraining: Vier Übungen zur Stärkung der Mundwinkel und Lippenecke
  1. Das Dreieck: Drücke die Ecken mit dem Daumen und mit dem Zeigefinger für 2-3 Sekunden ein. Bilde ein Dreieck, wie beim Lachen, und baue so den richtigen Klarinettenansatz auf. Behalte diese Position für 5 Sekunden bei. Puste gleichzeitig durch die kleine Öffnung in der Mitte der Lippen. Konzentriere dich auf die Öffnung und auf den gleichmäßigen Luftstrom à 5 Wiederholungen.
  2. Bringe die Mundwinkel und die Lippen nach vorne. Forme einen „Fischmund”. Halte diesen Ansatz für 5-10 Sekunden. Ansatz aufbauen und wieder entspannen à3 Wiederholungen.
  3. Bewege den Ansatz von Seite zu Seite mit gezogenen Lippen. Je Seite 5-10 Sekunden halten à 6-8 Wiederholungen. 
  4. Mögliche Variationen der Übung:
  • Bewege einfach die Mundwinkel von Seite zu Seite (ohne Ansatzaufbau).
  • Blase während der Übung durch die kleine Öffnung. 

 

Stiftübung ohne Klarinettenansatz:

Das Ziel der Übung besteht darin, die verschiedene Muskelgruppen zu stärken, da sie häufig zusammenarbeiten.

Nimm einen Stift in den Mund und halte ihn in einer geraden Position. Die Lippen bleiben locker über den Zähnen, zunächst baust du noch keinen Klarinettenansatz auf.

Nimm dann den Stift raus und ziehe die Unterlippe über die Zähne. Setzte nun den Stift in den Mund ein. Halte die Oberlippe entspannt und weich über den Zähnen. Vermeide, dass der Stift herunterfällt. Wenn du den Stift im Mund locker halten kannst, lasse ihn langsam nach unten fallen und bewege ihn dann erneut nach oben. Wiederhole dieses Verfahren 5 Mal und steigere die Anzahl der Wiederholungen langsam über die nächsten Tage.

Daumentest

Um den Ansatzbau zu testen und zu trainieren, bau den Ansatz auf und stecke die Daumenspitze in den Mund. Tu so als würdest du auf der Klarinette spielen. Der Daumen funktioniert hier wie ein Ersatzmundstück. Lege die oberen Zähne auf den Daumen und beobachte, wie viel Lippendruck auf die Oberseite, die Unterseite und auf die Seiten des Daumens ausgeübt wird. Baue ein wenig Druck hinter dem Daumen auf als ob du gleich zu spielen anfängst. Dabei solltest du keinen Druck auf den Kiefer und die Zähne ausüben.

LUFTFÜHRUNG

LUFTSTROMÜBUNG MIT STROHHALM 

Ein Strohhalm ist ein wertvolles Hilfsmittel, um den Luftstrom durch eine ausreichende, aber kleine, Öffnung in der Mitte der Lippen zu spüren. Die folgende Übung besteht aus 3 Teilen und muss vor einem Spiegel durchgeführt werden.

  1. Halte den Kopf hoch und den Strohhalm in einem „klarinettentypischen” Winkel zum Mund. Beachte, dass die Mundwinkel beim Einatmen nach innen gezogen werden und den Strohhalm umgeben.
  2. Blase durch den Strohhalm aus und halte die Lippen in der gleichen Position wie zuvor.
  3. Atme erneut durch den Strohhalm ein und ziehe beim Ausatmen den Strohhalm schnell wieder heraus und blase weiter Luft raus. Beobachte die Öffnung in der Mitte der Lippen. Sie sollte recht klein sein und für den Rest der Ausatmung so beibehalten werden.

Zusätzliche hilfreiche Varianten der Übung für die Kleinen sind:

  • Während in den Strohhalm geblasen wird, bleibt die Handfläche am Ende des Strohhalms geöffnet, um den Luftstrom wahrzunehmen.
  • Es wird in den Strohhalm geblasen, die Handfläche bleibt wie davor geöffnet. Merke dir den Punkt und atme noch einmal aus und wieder ein. Ziehe nun beim Ausatmen den Strohhalm schnell wieder heraus und versuche auf den gleichen Punkt der Handfläche weiter zu blasen.
 
OHNE STROHHALM:

Einen tiefen Atemzug nehmen, den Ansatz formen und durch die kleine Öffnung in der Mitte der Lippen blasen. Richte deine Luft auf die Mitte der Handfläche einer Hand, die du etwa einen Zentimeter vom Gesicht entfernt hältst. So kannst du die Intensität spüren.

FINGERÜBUNGEN beim „Trockenüben“

Die Hände sind das zweite zentrale Werkzeug der Klarinettist*innen. Die folgenden Übungen sind dazu gedacht, die Hände und Finger zu kräftigen und in eine optimale Position zu bringen. Sie sollen ohne Klarinette ausgeführt werden und können fast überall durchgeführt werden. Ein Gefühl der Anstrengung und das Übertreiben der Wiederholungen ist zu vermeiden.

    1. Die C- bis O-Übung

Berühre die Daumenspitzen und bilde mit den Fingern ein C-Paar. Die Finger bleiben leicht gebogen. Schließe langsam alle Finger bis zu den Daumen, sodass ein rundes O entsteht. Lasse das O nicht zu oval werden. Bewege die Finger langsam und wiederhole die Übung 5 Mal. Achte bitte darauf, dass sich die Daumenspitzen ständig berühren.

Wiederhole die Übung langsam für jeden Finger à 5 Wiederholungen.

Diese Variationen sind auch möglich:

  • zuerst die beiden ersten Finger links und rechts schließen, dann den zweiten und dritten Finger, usw. à Jeweils 5 Wiederholungen.
  • dann drei Finger gleichzeitig.
  • Nun verschiedene Finger links und rechts gleichzeitig auf die Daumen zubewegen.

 

  1. Dehnung der Finger

Lege die Handflächen flach auf den Tisch auf. Öffne und schließe langsam alle Finger und strecke sie weit, während du die Handflächen flach hältst à 10 Wiederholungen.

  1. Liegestütz für das erste Fingergelenk

Auch bei dieser Übung wird die Kraft im Bereich des ersten Gelenks im Finger gestärkt. Lege die Hand flach auf einen Tisch und beugen das erste Gelenk eines jeden Fingers, sodass sich die Fingerspitzen nach unten und nach oben bewegen. Führe jede Bewegung schnell aus, aber halte sie in der Auf- und Abwärtsposition, sodass die gesamte Übung in einem langsamen Tempo ausgeführt wird à 10 Wiederholungen.

  1. Heben und Fallenlassen der Finger

Diese Übung kann fast überall durchgeführt werden. Es können beide Hände gleichzeitig trainiert werden.

Diese Übung hilft, das Heben und Fallenlassen der Finger vom Fingerknöchel aus zu spüren und fördert die unabhängige Fingerkraft. Lege dazu die Handfläche flach mit gekrümmten Fingern auf eine flache Oberfläche. Die gekrümmten Finger bleiben etwas angehoben.

Hebe den ersten Finger vom Fingerknöchel ab. Der Finger muss dabei gekrümmt bleiben, und lasse ihn dann vorsichtig wieder fallen. Die anderen Finger bleiben unbewegt à 10 Wiederholungen.

Führe dasselbe mit den anderen Fingern aus und achte darauf, dass sich die anderen Finger nicht bewegen. Du kannst die Übung variieren. Man kann gleichzeitig an beiden Händen den gleichen Finger trainieren oder mischen: die erste Hand mit dem ersten, dritten und vierten Finger, die zweite Hand mit dem ersten, zweiten und vierten Finger. Oder 2- 3 Finger pro Mal.

LESEN, HÖREN UND NOTENVORBEREITUNG

Das Üben ohne Instrument bedeutet für mich auch das „Trockene Lesen“, bzw. die Vorbereitung auf die Literatur. So kann ich visuell einen Eindruck von der Struktur des Stückes gewinnen und weiß, was auf mich zukommt. Ich notiere mir die schwierigen Passagen sowie die Fingersätze, die nötig sind. Das ist eine mentale Art des Übens, die ich auch mit dem Anhören des Stückes kombiniere.

Literaturempfehlung

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